Das Florenz in Comacchio

VOR EINEM HALBEN JAHRHUNDERT BEGANN DIE FAMILIE VITALI IHR OPEN-AIR-ABENTEUER 
von Pietro Licciardi

Der Campingplatz, den wir diesmal besprechen hat etwas Besonderes; vor allem weil er ein halbes Jahrhundert des Bestehens feiert und zweitens, weil er einer der ersten in Italien war, der das Konzept der Zugänglichkeit verwirklichte, das, wie die Leser des Camping-Management sicher schon wissen, nicht nur die Personen mit einem körperlichen Handicap betrifft, sondern eine viel größere Anzahl von Menschen: von werdenden Müttern bis hin zu Familien mit kleinen Kindern, älteren Menschen, jüngeren, vielleicht ein bisschen draufgängerischen, die sich jedoch vorübergehend an einen Rollstuhl oder ein Paar Krücken nach einem Sturz vom Motorrad oder einer schlecht beendeten Abfahrt auf Skiern gefesselt sehen. Kurz gesagt, alle potentiellen Urlauber, die ohne geeignete Einrichtungen wahrscheinlich ihre Ferien zu Hause, anstatt auf einem schönen Campingplatz oder in einer Ferienanlage verbringen müssten.

Der Protagonist dieser Seiten ist das Holiday Village Florenz am Lido degli Scacchi in Comacchio in der Provinz Ferrara: Mobilheime, Bungalows, große schattige Stellplätze im üppigen Pinienwald, vom Meer durch eine Kette von Sanddünen geschützt, die zu den besterhaltenen des Po-Deltas zählen. Und natürlich mit allen Einrichtungen, die man von einer Anlage dieser Art erwarten kann: zwei Restaurants, eine Pizzeria, Supermarkt, Sportplätze, Wellness-Center, Schwimmbäder ...

DAS FLORENZ IN COMACCHIO, SEIT 50 JAHREN ERFOLGREICH

Eigentümer, Verwalter und Manager des Florenz ist Gianfranco Vitali, der das Familienunternehmen geerbt hat. Die Pioniere waren nämlich die Eltern, die schon zu Beginn des Massentourismus im lang zurückliegenden Jahr 1958 beschlossen, das Abenteuer des Open-Air zu wagen. Ach ja, denn zu diesem Zeitpunkt waren die einzigen Trümpfe das Meer und die noch ein bisschen wilde Schönheit der Orte, die mehr oder weniger genauso wie vor hundert Jahren geblieben waren. Denn als es in Italien praktisch noch keine Wohnwagen und nur wenige Zelte gab, konnte die Eröffnung eines Campingplatzes als wahres Glücksspiel erscheinen.„Aber bei uns zu Hause gab es schon Fremdenverkehr“, erinnert sich Herr Gianfranco, „in der Tat vermieteten wir Sommerurlaubern auch das Schlafzimmer, wo ich und meine beiden Brüder schliefen, so dass wir es uns in der Nacht im Familienauto meines Vaters bequem machten; heute würden wir sagen im Kombi. Deshalb war es für die Meinen fast selbstverständlich, über etwas Anspruchsvolleres nachzudenken.“

So kam es zur Idee des Campingplatzes, das heißt, ein einfaches Grundstück von 15.000 Quadratmetern auf dem Lido di Pomposa. „Es gab so gut wie nichts“, erinnert sich noch heute Vitali, „mit Ausnahme einer Kraftstoffpumpe im Freien. Ich begann meine Karriere als Tankwart.“ Und im Jahr 1965 mietete die Familie Vitali dann den Camping Florenz am Lido degli Scacchi an. Ein Jahr später hatten sie bereits das Land gekauft, das sie radikal mit großen Investitionen zu verwandeln begann. Es waren bereits 8 Jahre seit den Anfängen vergangen und der Open-Air-Tourismus hatte große Fortschritte gemacht: Man sah immer größere Wohnwagen die nicht nur ausländische Kennzeichen hatten. Neben Zwei- und Viermann-Zelten wurden auch die ersten „Familienheime“ aus Zeltbahnen aufgestellt und die Touristen beanspruchten einige unerlässliche Dienstleistungen wie Toiletten, Duschen, Einkaufsläden ... „Im Florenz haben wir die ganze Anpflanzung modernisiert; die Pappeln wurden durch gut zwölfhundert Schirmkiefern ersetzt; wir haben die Bäder renoviert sowie die Gemeinschaftseinrichtungen und das Restaurant. Zum Glück waren meine Eltern so klug, die natürlichen Sanddünen zu bewahren, die auch heute noch eines der Merkmale unseres Campingplatzes sind und die wir deshalb mit größter Sorgfalt erhalten haben.“

Der Camping Florenz hat sich seither ständig verbessert und es wurde immer darauf geachtet, mit den Anforderungen einer immer treueren italienischen und ausländischen Kundschaft Schritt zu halten, von denen letztere nicht nur durch die Nähe zur Grenze angezogen wurde, sondern auch von einer strategisch günstigen Lage für den Tourismus durch die Nähe des Lido degli Scacchi zu den schönsten Städten wie Ferrara, Ravenna und vor allem Venedig. Ganz zu schweigen vom Po-Delta; eine der faszinierendsten Gegenden unseres Nordens, die man zu Fuß, mit dem Boot, zu Pferd oder mit dem Fahrrad entdecken kann; wo man Vogelkolonien beobachten kann, die über die Wasserspiegel eines der größten Feuchtgebiete in Italien gleiten. Und für die weniger sportlichen gibt es einige attraktive Ziele wie das Castello della Mesola, die Abtei von Pomposa, den Leuchtturm von Gorino, den Torre dell'Abate oder das historische Zentrum von Comacchio mit seinen Brücken und Kanälen. Ohne eine erfrischende Pause in einer der vielen Tavernen, Wirtschaften und Restaurants zu vernachlässigen, von denen jede ihre persönliche Variante typischer Gerichte der Region anbietet, vor allem Fisch und Meeresfrüchte, mit Austern, Heuschreckenkrebsen und Miesmuscheln sowie die unvermeidlichen Aale.

Vor Einem Halben Jahrhundert Begann Die Familie Vitali Ihr Open-Air-Abenteuer von Pietro Licciardi

Ein wichtiger Termin für den Camping Florenz jedoch ist das Jahr 2006, als mit dem Beistand von Roberto Vitali, dem Präsidenten von Village for All, die Epoche der Zugänglichkeit begann. „Mit Roberto haben wir eine ganz neue Welt entdeckt“, verrät der Besitzer des Holiday Village Florenz, „in der Tat zeigen konsolidierte Erfahrungen im Ausland und ein neues Bewusstsein für das Thema Behinderung in unserem Land, dass es eine beträchtliche Anzahl von potenziellen Kunden gibt, die deshalb auf den Urlaub verzichten, weil sie keine Anlagen finden, die wenigstens einigen ihrer Bedürfnisse entsprechen. Vor allem haben wir entdeckt, dass es zu einfach ist, in Bezug auf die Zugänglichkeit nur an die architektonischen Barrieren zu denken, die entfernt werden müssen, um den Rollstühlen die freie Bewegung zu ermöglichen.“

Eine Camping-Ferienanlage zugänglich zu machen, bedeutete 37 barrierefreie Mobilheime zu installieren, die unter anderem auch von Kunden ohne spezielle Probleme hoch geschätzt sind. Auch das interne Straßennetz musste neu überlegt werden und vor allem der Strand war für Rollstühle und Kinderwagen auszurüsten, während der Pool mit speziellen Hilfsmitteln ausgestattet wurde, die Personen mit eingeschränkter Mobilität den Zugang ermöglichen. Wie von Gianfranco Vitali betont wird, war das Ergebnis beeindruckend: „Heute stellt der barrierefreie Tourismus für uns 15 Prozent der Gesamteinnahmen dar, aber unsere größte Genugtuung war, eine starke Integration zwischen den behinderten und anderen Kunden zu erreichen. Dieses Projekt hat uns im Jahr 2014 eine begehrte Auszeichnung der Europäischen Kommission eingebracht. Vielmehr waren wir das einzige preisgekrönte italienische Touristikunternehmen.“

Aber dies ist nicht die einzige Genugtuung für die Direktion und das ganze Personal des Florenz. In der Tat ist, wie schon in der Einleitung erwähnt, das Florenz - das im Jahr 2014 eine „4-Sterne-Anlage“ wurde und seinen Namen in Holiday Village Florenz änderte - 50 Jahre alt geworden, ein halbes Jahrhundert der Tätigkeit, die die ganze Entwicklung desOpen-Air in unserem Land mitgemacht hat. Ein Ereignis, das es sicherlich zu feiern gilt, „Und in der Tat haben wir einen dicht belegten Veranstaltungskalender, meist musikalischer Art vorbereitet“, kündigt der Eigentümer an, „als Dank an unsere Kunden. Denn gerade ihnen ist es zu verdanken, dass wir diesen Meilenstein erreicht haben. Hier sind wir Freunde, weil es zu einfach wäre, diejenigen noch als Kunden zu bezeichnen, die ununterbrochen seit fünfzig Jahren kommen, wie z. B. Manfred Vaubel, ein Deutscher, der auch von unserem Bürgermeister geehrt wurde. Eine solche Ausdauer ist die beste Anerkennung für unsere Gastfreundschaft; ich spreche hier von meiner Familie, aber auch vom Gebiet, das in den letzten Jahren seine Berufung zum Tourismus immer deutlicher erkannt hat.“

Doch nach einem halben Jahrhundert hat sich die Welt des Open-Air geändert, und zwar gewaltig, nicht wahr? „Sie hat sich radikal verändert. Heutzutage geht man nicht campen, weil es die billigste Urlaubsart ist. Früher einmal schlief man in einem Zelt, man kochte sich was auf einem Gasherd und war mehr als zufrieden, wenn es fließendes Wasser, einige Duschen und ein WC gab. Heute wählt man den Campingplatz, der auch schon seinen Namen gewechselt hat und meistens zum Feriendorf wurde, um mehr in Verbindung mit der Natur zu bleiben, mit der Möglichkeit buchstäblich einen Steinwurf vom Strand entfernt ins Grün eintauchen zu können, meist außerhalb der bevölkerten Zentren, aber mit allen Annehmlichkeiten eines Hotels: Restaurant und Pool inklusive. Heute bieten die meisten der entwickelteren Campingplätze eine große Auswahl an Unterkünften: von Luxus bis Budget und Stellplätze mit eigenem Bad und außerdem WLAN, Internet, TV und Klimaanlage ... wie ich schon sagte, alles, was es in einem First-Class-Hotel gibt.“

Herr Vitali, mit Ihrer mehr als 50-jährigen Erfahrung, werden Sie sicher als der Alterspräsident der Unternehmer des Tourismus im Freien in Ihrem Bereich betrachtet. Was sehen Sie in der nahen Zukunft für das Open-Air in ihrer Region? 
„Ich bin seit zwanzig Jahren Präsident der Faita (Italienischer Unternehmer-Verband für Freiluft-Tourismus) Emilia Romagna und ich kenne die Bedingungen in meiner Region. Ich habe ein stetiges Wachstum der Unternehmen erlebt, die investiert haben und heute im Einklang sind mit den Anforderungen des Marktes Ich fordere die Kollegen immer auf, sich auf Qualität zu konzentrieren, denn ich glaube, dass das heutzutage der einzig mögliche Weg ist. Ich denke nämlich, dass es die Aufgabe eines Verbands ist, den Mitgliedern auch die Markttrends aufzuzeigen und den Austausch von Informationen und Erfahrungen zu fördern, um den Wachstumsprozess zu beschleunigen und Fehler zu vermeiden.“

23.02.2016 16:22
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